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Gebet & geistliches Leben

Fasten und Gebet – wie du es praktisch angehst, auch im Business

8 Min. LesezeitFolge 80

Matthäus 6,16 ist an einer Stelle bemerkenswert präzise. Jesus sagt dort: wenn ihr fastet. Nicht: falls ihr fastet.

Er schlägt es also nicht als Möglichkeit vor, die man mal ausprobieren könnte. Er setzt bei seinen Nachfolgern selbstverständlich voraus, dass sie es tun.

Bei uns war das lange anders. Als wir zum Glauben kamen, hatten wir den Eindruck, dass über Fasten kaum gesprochen und es in vielen Gemeinden auch nicht praktiziert wird. Wenn wir nachfragten, kam viel Unsicherheit zurück. Und wo es praktiziert wurde, wirkte es oft religiös geprägt, ohne geistliche Tiefe.

Am häufigsten begegnete uns aber etwas anderes: Fasten als Werkzeug. Ich faste, damit ich etwas bekomme. Ich setze mich vor Gott hin und überrede ihn ein bisschen – schau, ich faste doch schon, jetzt schenk mir bitte auch dies und jenes.

Wir haben uns deshalb zunächst zurückgehalten und das Thema später für uns erarbeitet: mit der Bibel, im Gebet. Genau das geben wir hier weiter – die Anleitung zum Fasten und Beten und wie sich das in den Business-Alltag übertragen lässt.

Was Fasten eigentlich ist

Fasten ist ein Entzug von Ablenkung. Es schärft deine Wahrnehmung, öffnet den Geist für Gottes Reden und lässt dich Kontrolle loslassen.

Am schönsten lässt es sich als aktive Demütigung beschreiben: Ich habe von Gott alles geschenkt bekommen, und ich verzichte bewusst auf einen Teil dieses Überflusses. Damit sage ich Ja zum Geist und Nein zum Fleisch.

Und daraus folgt der Satz, der die häufigste Verwechslung auflöst:

Fasten verändert dich, nicht Gott.

Wir fasten aus Demut und Liebe zu Jesus heraus, um zu sagen: Ich nehme mich noch mehr aus dem Weg, damit du mehr Platz bekommst – in meinem Leben und in meinem Business.

Dein Fleisch wird sich dagegen wehren. Das ist keine Panne, das gehört dazu.

Was Fasten mit dir macht

Es richtet dein Herz neu aus

Jesaja 58 ist die zentrale Stelle dazu – und sie räumt gründlich auf. Ein äußerliches, gesetzliches Fasten bringt nichts, wenn das Herz unverwandelt bleibt und nicht gerecht handelt.

Es geht Gott, wie immer, um dein Herz und um deine Haltung. Um die Form ist er weit weniger gesetzlich, als viele denken.

Vier Aspekte nennt er dort, und sie lassen sich erstaunlich direkt aufs Business übertragen:

Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast. Also: Unrecht und Ausbeutung beenden. Für einen Coach oder Berater heißt das faire Preise und ehrliche Beratung. Klingt selbstverständlich – ist es in der Praxis nicht. Jeder Unternehmer weiß, dass die Preisfrage das Herz prüft. Rufst du die Preise auf, die er will? Oder die, die du für angemessen hältst? Und wie geht es dir damit, bewusst weniger zu nehmen, als dir eigentlich zusteht – wenn dabei die Angst ums Geld hochkommt? Auch diese Angst zu fasten ist Fasten. Wie du überhaupt zu einem tragfähigen Preis kommst, haben wir hier beschrieben.

Nimm Lasten weg. Gestalte Angebote, die deine Leute nicht überfordern. Und lass deine eigenen Erwartungen los – an andere und an dich.

Gib frei, die du bedrückst. Unterstütze die, die es brauchen. Wir haben bei einem Kongress einmal einen Fair-Use-Preis eingeführt und damit bewusst deutlich weniger genommen, als wir wollten, um Menschen dabei zu haben, die es sich sonst nicht leisten können. Und Menschen, die bei uns mitarbeiten, bekommen Kurse kostenfrei oder stark vergünstigt.

Reiß jedes Joch weg. Sorg für strukturelle Gerechtigkeit – auch, indem du dich von Prägungen, Blockaden und Mindset-Themen frei machst, die dir die Welt eingeimpft hat.

Du merkst schon: Was Gott hier unter Fasten versteht, ist keine einmalige Sache. Es ist ein Lebensstil.

Es öffnet Raum für Offenbarung

Die eindrücklichste Schilderung dazu steht in Daniel 10. Daniel trauert und fastet drei Wochen lang – kein Fleisch, kein Wein, keine Salböle. Danach steht er am Tigris, und ihm erscheint ein Bote, dessen Beschreibung überwältigend ist: das Gesicht wie ein Blitz, die Augen wie Fackeln, die Arme wie polierte Bronze.

Was dieser Bote sagt, ist der eigentliche Punkt: Vom ersten Tag an, als du dich vor deinem Gott gebeugt hast, um seinen Plan zu verstehen, hat er dein Gebet erhört. Aber der Engelfürst von Persien hat sich mir 21 Tage lang entgegengestellt.

Erhört ab Tag eins. Angekommen nach 21 Tagen – weil im Unsichtbaren gekämpft wurde, bis Michael zu Hilfe kam.

Fasten bewegt also tatsächlich etwas in der geistlichen Welt. Und es lehrt warten.

Markus 9,29 passt genau dazu: „Diese Art kann durch nichts ausfahren außer durch Gebet und Fasten.“ Wo Gebet allein blockiert scheint, gehört das Fasten dazu.

Was das im Business bewirkt

Sehr konkret gesagt: Du sagst Nein zu Ablenkung, zu Selbstkontrolle, zu Leistungsdruck. Und du sagst Ja zu Klarheit, Fokus, geistlicher Führung, neuen Strategien und echter Ruhe.

Fasten macht dein Inneres ruhig genug, um zu hören, was Gott bereits spricht.

Und das meinen wir wörtlich. Er redet die ganze Zeit. Er sagt dir laufend, wie seine Wege aussehen. Die Frage ist nur, ob wir unsere Ohren dazu benutzen – oder ob wir einen sturen Kopf haben, es lieber anders hätten und uns dann einreden, Gott schweige.

Das ist unangenehm, wir wissen. Aber vielleicht liegt es eben nicht an ihm. Wie du sein Reden von deinem eigenen unterscheidest, steht in Gottes Stimme erkennen.

Vier Formen des Fastens

Fasten heißt nicht zwingend, nichts zu essen. Es heißt Verzicht, um den Geist zu schärfen.

1. Nahrungsfasten

Der Klassiker – und der mit der größten Wucht, weil du auf etwas Lebensnotwendiges verzichtest.

  • Teilfasten: eine Mahlzeit am Tag weglassen, etwa Frühstück oder Abendessen.
  • Danielfasten: 21 Tage ohne Fleisch, Zucker, Kaffee, Alkohol und Genussmittel, mit Fokus auf Gemüse und Wasser.
  • Vollfasten: für eine begrenzte Zeit nur Wasser, Suppen oder Säfte. Bei uns waren es mehrfach drei bis vier Tage, zu denen wir konkret aufgerufen wurden.

Und hier der Punkt, der alles entscheidet: Die frei gewordene Zeit gehört Gott. Sonst wird daraus eine Routine – ich lasse montags das Frühstück weg, klopfe mir auf die Schulter und halte mich für einen guten Christen. Du schaffst mit dem Verzicht nur den Raum. Das eigentliche Fasten passiert darin.

2. Medienfasten

In unserer Zeit vielleicht das wirksamste, weil hier die größte Ablenkung sitzt. Bewusst kein Social Media. Kein Netflix, kein YouTube. Oder das Handy für einen Tag komplett zur Seite legen.

Uns hat Gott dazu mehrfach aufgerufen. Beim Netflix-Verzicht war das anfangs herausfordernd – wir haben sehr gern Filme geschaut. Heute ist das Bedürfnis schlicht weg. Merle ist auf keinem Social-Media-Kanal mehr unterwegs außer in DIVINE Connect. Und als unser Fernseher irgendwann kaputtging, haben wir einfach keinen neuen mehr gekauft.

Daran zeigt sich etwas Schönes: Manchmal ruft Gott dich in ein befristetes Fasten – und arbeitet dabei so an dir, dass daraus ein neuer Lebensstil wird. Mit Freude, nicht mit Verzichtsgefühl.

3. Genuss- und Konsumfasten

Kaffee, Zucker, Alkohol, die Snacks, die du besonders magst.

Das Ziel ist dasselbe – und nebenbei zeigt sich hier sehr deutlich, wo etwas Macht über dich gewonnen hat. Lass Gott an dieser Stelle an dein Herz und im wahrsten Sinne an deinen Körper.

4. Herzensfasten

Das ist das Fasten aus Jesaja 58, und es kostet oft am meisten: bewusst auf negative Gedankenmuster verzichten. Keine Kritik. Kein Jammern. Kein Vergleichen. Kein Leistungsdruck.

Nimm dir eine Woche vor, keine Kritik zu äußern – bei deinem Partner nur zuzuhören und nicht zu entgegnen. Es wird dir auffallen, wie oft du ansetzen willst. Und dann kommt die Frage: Brauche ich das eigentlich?

Dahinter steht die größere Frage, wofür wir unsere Worte benutzen. Sprechen wir Leben – Gottes Wahrheiten über eine Situation? Oder jammern, vergleichen und kritisieren wir und sprechen damit das Gegenteil?

Wie lange, und wie du es planst

Es gibt keine Regel, nach der eine bestimmte Dauer richtig wäre. Bei uns waren es mal drei bis vier Tage, an anderer Stelle ein fester Tag pro Woche als Lebensstil. Sieben, vierzehn oder einundzwanzig Tage sind ebenfalls möglich. Frag ihn danach – und lass dich bei längeren Phasen medizinisch begleiten.

Vorher: Klär das Ziel. Herr, warum legst du mir das aufs Herz? Was willst du mir zeigen? Mit einem Ziel lässt sich das Fasten auch durchstehen.

Plan die Termine. Wenn ein Tag pro Woche dran ist, halte ihn frei. Fahr an diesem Tag herunter, was sonst läuft – und fahr die Zeit in Bibel und Gebet hoch. Business-Aktivitäten darfst du in solchen Phasen bewusst entschlacken und dich auf das Wichtigste beschränken. Matthäus 6,33: „Strebt zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, und Gott wird euch alles andere hinzufügen.“

Danach: Setz sofort um. Was dir gezeigt wurde, welche Entscheidung im Fasten gereift ist – bring es in die Handlung. Nicht in zwei Monaten. Sonst bleibt es in der Luft hängen. Wie du prüfst, ob eine Entscheidung wirklich seine ist, steht in Gottes Willen erkennen.

Ein letzter Hinweis

Überfordere dich nicht. Werde nicht religiös dabei. Schau, was gerade dran ist. Und bleib dran – es soll kein einmaliger Kraftakt sein, nach dem du erschöpft nie wieder fastest.

Und dann noch dies, weil es sonst leicht als Scheitern missverstanden wird:

Es ist dafür gemacht, dass es schwer ist.

Dein Fleisch wird sich wehren, es wird zu kämpfen geben. Genau das ist der Sinn. Du demütigst dich und schaffst Raum für ihn – und dafür muss etwas anderes zur Seite.

Nimm es mit ins Gebet: Soll ich fasten? Was? Wie lange? Und dann probier es aus.

Häufige Fragen

Müssen Christen fasten?

Jesus spricht in Matthäus 6,16 davon, was zu tun ist, „wenn ihr fastet" – nicht „falls". Er setzt es bei seinen Nachfolgern selbstverständlich voraus.

Muss ich beim Fasten auf Essen verzichten?

Nicht zwingend. Es gibt Nahrungsfasten, Medienfasten, Genussfasten und Herzensfasten. Entscheidend ist der bewusste Verzicht, der Raum für Gott schafft.

Verändert Fasten Gottes Entscheidung?

Nein. Fasten verändert dich, nicht Gott. Es ist kein Werkzeug, um Wünsche durchzusetzen, sondern ein Akt der Demut, der deine Wahrnehmung für sein Reden schärft.

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