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Leiterschaft & Zurüstung

Was macht einen guten Leiter aus – und wie du in die Rolle hineinwächst

7 Min. LesezeitFolge 33

Es gab einen Tag, an dem es bei Merle Klick gemacht hat.

Sie hatte ihre Festanstellung längst gekündigt, arbeitete mit Führungskräften und hatte eine Facebook-Gruppe aufgebaut. Etwa ein Dreivierteljahr lang hatte sie sich vollständig auf das Thema gestürzt: Wissen aneignen, Coachings buchen, sprachfähiger werden für das, was in ihrem Herzen brodelte.

Über die Frage, wer sie in dieser Sache eigentlich ist, hatte sie nie nachgedacht. Sie war jemand, der ein Projekt macht und Leuten hilft.

An diesem Tag wurde ihr in Sekunden klar: Ich muss diese Identität annehmen. Nicht wie ein Karnevalskostüm, das man sich überzieht – sondern hineinwachsen, wo ich hin soll. Ich bin Expertin. Ich bin Leiterin dieser Gruppe.

Sie ging mit dieser Haltung in ihr nächstes Live. Und es war alles anders. Ab da wurde die Gruppe tatsächlich geführt – und konnte aufblühen.

Deshalb hier die Frage, um die es geht: Was macht einen guten Leiter aus? Und noch davor: Hast du diese Rolle überhaupt schon angenommen?

Verdienen kommt von Dienen

Am Anfang steht bei fast allen dieselbe Frage: Ja gut, aber wie verdiene ich denn damit Geld?

Uns ging es genauso. Man macht sich selbstständig, muss plötzlich selbst für sein Geld sorgen, und die Versorgungsangst kommt hoch. Priorität: Geld verdienen.

Der Satz, der das für uns umgedreht hat, ist so schlicht wie wahr: Verdienen kommt von Dienen.

Bei Oli war das noch in der Versicherungsberatung. Der Moment, in dem er verstand: Es geht gar nicht darum, Verträge abzuschließen, damit möglichst viel hängen bleibt. Es geht darum herauszufinden, was die Leute wirklich brauchen – und ihnen gut zu dienen, selbst wenn nichts dabei herausspringt.

Und bei Merle war es der Widerstand gegen eine Strategie, die ihr in einem Coaching beigebracht worden war: Mach eine Gruppe auf, sammel Leute, geh täglich live, heiz sie an und verkauf ihnen dein Angebot. Ich bin doch nicht der Klaus und mache hier Kindergarten, war ihre Reaktion. Vor Leuten den Hampelmann zu machen, damit sie etwas kaufen – das kam für sie nicht infrage.

Mit dem Verständnis von Leiterschaft kam dann das Verständnis von Gemeinschaft. Menschen dienen. Die Sache selbst in den Fokus stellen.

Schau dir erfolgreiche Unternehmen an: Sie haben eines gemeinsam. Sie haben ernsthaft geschaut, wo Menschen ein Problem haben, und dafür eine Lösung entwickelt.

Als wir das begriffen hatten, fing auch das Verdienen an.

Merkmal 1: Ein guter Leiter dient anderen

Markus 10,43–45: „Wer groß sein will, der soll anderen dienen. Und wer der Erste sein will, der soll sich anderen unterordnen. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen. Er kam, um zu dienen und sein Leben als Lösegeld hinzugeben.“

Ein Leiter ist jemand, der sich hingibt, um das Wohl anderer zu fördern.

Wie ernst wir das gemeint haben, zeigt eine Zeit, die uns geprägt hat: Über ein Jahr lang gab es jeden Werktag um 19 Uhr die Merle-und-Oli-Show. Jeden Abend live, in unserer damaligen Facebook-Gruppe. Positionierung, Community-Aufbau, Angebot, Content, Verkauf – wir haben zu allem Challenges gemacht.

Irgendwann hatten wir beschlossen: Wir halten nichts mehr zurück. Keine Geschichte, kein Wissen. Wir wollten so vielen Menschen kostenfrei helfen, dass sie sich fragen, was dann wohl erst im Coaching passiert. Jemand hat uns einmal ein Foto geschickt – einen ganzen Ordner voller Mitschriften, allein aus den kostenfreien Workshops.

Und genau das war die Zeit, in der besonders viele Menschen zu uns ins Coaching kamen. (Warum Verkaufen dabei kein Widerspruch zum Dienen ist, steht in Verkaufen als Christ.)

Eine Warnung gehört dazu, damit man nicht von der anderen Seite fällt: Dienen bis ins Burnout ist keine Leiterschaft. Wem dienen wir? Gott. Von dort kommt die Balance.

Und dann geschieht etwas Merkwürdiges. Matthäus 6,33 – strebt zuerst nach dem Reich Gottes, alles andere wird euch hinzugefügt – liest sich in diesem Zusammenhang fast wie eine Abmachung: Kümmere du dich um mein Business, ich kümmere mich um deins.

Merkmal 2: Ein guter Leiter führt mit Integrität

Das sollte selbstverständlich sein. Ist es aber nicht.

Sprüche 11,3: „Ehrlichkeit leitet den Aufrichtigen auf seinem Weg. Ein Unehrlicher zerstört sich selbst durch seine Falschheit.“

Wichtig dabei: Es geht selten um die große Steuerhinterziehung oder die krasse Lüge. Es geht um Unehrlichkeit, die sich Schritt für Schritt ausbreitet – auch die sich selbst gegenüber. Wenn jemand aus Stolz etwas nicht zugibt und daraus Angebote entstehen, die einen kleinen Drall bekommen. Kleinigkeiten mit Wellenwirkung. Hier gilt: Wehret den Anfängen.

Übrigens ist moralische Integrität nichts spezifisch Christliches. Auch Menschen, die Jesus nicht kennen, bauen darauf. Wer sagt, er führe sein Business nach christlichen Werten, hat damit noch nichts Besonderes gesagt – das ist die Grundlage, nicht die Auszeichnung.

Psalm 78,72: „David regierte mit aufrichtigem Herzen und führte die Israeliten mit kluger Hand.“ Beides gehört zusammen: ein Herz am richtigen Fleck und die Weisheit, danach zu handeln.

Perfekt oder authentisch

Daran hängt eine Frage, die viele lähmt.

Wir erleben immer wieder, dass Menschen aus ihrer Gemeinde die Prägung mitbringen, Leiterschaft bedeute Perfektion. Christsein bedeute Perfektion. Und dann entsteht enormer Druck bei dem bloßen Gedanken, eine Gruppe oder ein Business zu leiten – jetzt darf man ja nichts mehr falsch machen.

Diesen Druck nehmen wir zuerst von den Schultern.

Wir sind von Anfang an authentisch aufgetreten, und die Rückmeldung war immer dieselbe: Wie gut, dass ihr uns hinter die Kulissen mitnehmt. Für uns war das selbstverständlich – so lernt man am besten, und so ermutigt man am besten. Eine perfekte Fassade erzeugt Distanz zwischen dir und deiner Gemeinschaft.

Prüf das an dir selbst: Mit wem verbindest du dich lieber? Mit jemandem, der Ecken und Kanten hat und zugibt, auf Lügen hereingefallen zu sein und Jesus zu brauchen? Oder mit jemandem, der den perfekten Schein aufrechterhält?

Auf Instagram siehst du ohnehin nur einen sehr kleinen Ausschnitt eines Lebens. Orientiere dich nicht daran – und such dir die Menschen, an denen du dich ausrichtest, nach genau diesem Kriterium aus.

Merkmal 3: Ein guter Leiter ist demütig

Philipper 2,3–4: „Weder Eigennutz noch Streben nach Ehre sollen euer Handeln bestimmen. Im Gegenteil, seid bescheiden und achtet den anderen mehr als euch selbst. Denkt nicht an euren eigenen Vorteil – jeder von euch soll das Wohl des anderen im Auge behalten.“

Dazu gibt es eine Beobachtung aus der Speaker-Ausbildung, die erstaunlich befreiend ist.

Wenn du auf eine Bühne trittst, kommt das Lampenfieber: Alle schauen mich an. Sitzt die Frisur? Habe ich einen Fleck auf dem Hemd?

Die Wahrheit ist: Im Grunde interessiert sich niemand für dich. Alle interessieren sich für das Thema. Und das ist eine ausgesprochen gute Nachricht.

Genauso darf es im Business sein. Du gehst nicht hinaus mit der Angst, bewertet zu werden. Du stehst für die Sache – für das, was Gott dir aufs Herz gelegt hat, wofür er dich ausgebildet und dir Talente gegeben hat. Und du nimmst dich zurück, damit diese Sache Raum bekommt.

Der Aufruf zur Demut ist dabei ein Schutzmechanismus. Stolz ist der Anfang von viel Übel, und Social Media verleitet spürbar dazu: Postings, in denen jemand sich selbst in den Fokus setzt – hier bin ich, willst du werden wie ich, dann kauf jetzt. Oder Menschen, von denen man monatelang nichts hört, die aber sofort wieder da sind, wenn sie etwas zu verkaufen haben.

Und weil Demut so leicht missverstanden wird: Gemeint ist nicht Trockenbrot und Wasser, kein Schlaf, keine Grenzen. Man kann auch von dieser Seite vom Pferd fallen – so demütig werden, dass man kein Leiter mehr ist, keine Kraft und kein Profil mehr hat. Dann bleibt der Dienst ohne Frucht. Wie du deine Autorität annimmst, ohne dabei stolz zu werden, steht in Königskind statt Sklavenmentalität.

Du bist ein Leiter

Wenn du dich selbstständig machst und mit deinem Thema hinausgehst, übernimmst du Leiterschaft. Das darf dir bewusst sein, und du darfst es bewusst tun.

Vertrau dabei auf die Führung deines CEO – wie diese Rollenverteilung aussieht, haben wir in Gott als CEO beschrieben. Nimm die Rolle an, die er dir zugesprochen hat, und geh damit nach draußen.

In Leiterschaft darfst du wachsen. Niemand ist perfekt. Wir werden mit Talenten ausgerüstet, und der Weg entsteht, indem man ihn geht.

Also geh die nächsten Schritte. Sei mutig.

Häufige Fragen

Was macht laut Bibel einen guten Leiter aus?

Drei Dinge: Er dient anderen (Markus 10,43–45), er führt mit Integrität und Ehrlichkeit (Sprüche 11,3) und er ist demütig (Philipper 2,3–4).

Muss ich als Leiter perfekt sein?

Nein – und der Versuch schadet. Wer eine perfekte Fassade zeigt, erzeugt Distanz. Menschen verbinden sich mit jemandem, der seinen Weg authentisch erzählt.

Kann man auch zu demütig sein?

Ja. Wer sich so weit zurücknimmt, dass er kein Profil und keine Kraft mehr hat, führt nicht mehr – und dann bleibt der Dienst ohne Frucht.

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