3 Hürden, online sichtbar zu werden – und wie du sie überwindest
8 Min. LesezeitFolge 9
In einer Folge von Shark Tank, der amerikanischen Version von „Höhle der Löwen“, stellte ein Unternehmer ein neues Mehl vor – hergestellt aus Popcorn. Er hatte damit Pancakes und Waffeln gebacken und teilte sie an die Investoren aus. Alle waren begeistert: die besten Pancakes, die sie je gegessen hätten. Leicht, knusprig, hervorragend.
Dann kam die Frage nach den Verkaufszahlen. Und danach die Frage, wie er eigentlich für seine Kunden sichtbar sei.
„Darum habe ich mich noch nicht gekümmert.“
Das war der Dealbreaker. Alle fünf sind ausgestiegen. Nicht, weil das Produkt schlecht war – es war nach ihrem eigenen Urteil das beste des Abends. Sondern weil niemand in etwas investieren kann, das niemand sieht. Wer die Angst vor Sichtbarkeit überwinden will, sollte sich diese Szene merken: Das beste Angebot der Welt nützt nichts, wenn es keiner findet.
Bei uns war Sichtbarkeit lange kein Problem – bis sie es war
Als Merle 2017 als Coach für Führungskräfte startete, war das Rausgehen erstaunlicherweise kein Thema. Von außen kam durchaus die Frage: Wie kannst du das machen, du bist ein junges Mädel, und das sind gestandene Vorstandsleute, ältere Männer. Hast du davor keine Angst?
Nein. Denn sie musste ja nicht dieselbe Erfahrung mitbringen wie ihre Kunden – dreißig Jahre Führung, fünftausend geführte Mitarbeiter. Das war gar nicht die Expertise, um die es ging. In ihrer eigenen saß sie fest im Sattel.
Ein halbes Jahr später haben wir angefangen, zusammenzuarbeiten – als Business-Mentoren für spirituelle Coaches. Auch das war kein Problem. Wir hatten uns ein Online-Business aufgebaut, wir konnten anderen dabei helfen, also haben wir es gemacht.
Und dann kam der Moment, in dem wir gesagt haben: Wir werden als Business-Mentoren für christliche Coaches sichtbar. Auf einmal war es herausfordernd.
Die Sache mit Gott. In der spirituellen Szene sprachen die Leute auch von Gott – gemeint war das Universum. Wir meinten Gott. Und plötzlich waren all diese Sätze da: Was sollen die anderen denken? Was werden sie über uns sagen? Wie halten wir es aus, wenn Gegenwind kommt?
Das zeigt etwas Wichtiges: Sichtbarkeit selbst war nie das Problem. Wäre sie es gewesen, hätte es schon beim ersten Schritt geklemmt. Es ist eine mentale Sache. Je mehr du von deinem Innersten zeigst, desto verletzlicher fühlst du dich – und desto stärker willst du das schützen.
Das heißt übrigens nicht, dass Sichtbarkeit ungefiltert bedeutet, alles Private nach außen zu kehren. Sichtbarkeit im Business ist wohlüberlegt: Womit wirst du sichtbar? Wofür stehst du? Das ist eine Frage der Positionierung.
Hürde 1: Was werden bloß die anderen denken?
Die wichtigste Erkenntnis zuerst, und sie stammt aus dem Vertrieb: 95 Prozent der Probleme tauchen niemals auf.
Schau dir einmal an, was wir täglich für ein Gedankenkarussell fahren – und wie wenig davon in der Realität wirklich passiert. Wie die Leute reagieren könnten. Was sie schreiben könnten. Wie sie dich ansehen würden.
Das Meiste davon existiert ausschließlich in deinem Kopf. Und es gibt einen sehr handfesten Grund dafür: Die Menschen interessieren sich nicht für dich. Sie interessieren sich für sich selbst. Das ist nicht böse gemeint. Sie hören dir zu, weil sie ihre eigenen Probleme lösen wollen – nicht, weil sie dich beurteilen.
Ein Bild dazu, das jeder kennt. Du bist auf eine Feier eingeladen, auf der du fast niemanden kennst. Auf dem Weg dorthin entsteht dieses Kopfkino: Du kommst rein, die Musik verstummt, alle drehen sich um, Spotlight auf dich, jeder ordnet dich ein – Freund oder Feind.
Das ist ein Hollywood-Szenario, und Hollywood ist nicht dafür bekannt, realitätsnah zu sein. Was tatsächlich passiert: Die Tür geht auf, jemand begrüßt dich, du gehst rein – und nichts. Die Musik läuft weiter. Die Leute reden weiter, schenken sich Wasser ein, gehen zur Toilette. Jeder fährt seinen eigenen Film.
Zähl mal die Gedanken, die du dir auf so einer Feier über dich selbst machst. Sitzt der Anzug, sind die Schuhe sauber, liegen die Haare? Und dann zähl die Gedanken, die du dir über die Frisur der anderen machst. Ziemlich genau null.
Wir haben das selbst durchgespielt. Damals hatten wir eine Facebook-Gruppe mit dreieinhalbtausend Menschen aus dem spirituellen Kontext. Als wir sagen wollten, dass wir Christen sind und uns an der Bibel orientieren, waren wir sicher: Das eskaliert. Da kommt ein Tumult.
Und dann kam: nichts. Nüscht. Gar nichts. Die meisten fanden es spannend, ein Teil ist neugierig mitgegangen. Einige sagten, diesen Weg könnten sie nicht mitgehen, wünschten uns alles Gute – und die Wege haben sich getrennt. An eine einzige Eskalation können wir uns nicht erinnern.
Wenn diese Hürde bei dir ein Thema ist, hat sie übrigens einen biblischen Namen: Menschenfurcht. Und die gute Nachricht an einer Blockade, die im Kopf sitzt, ist, dass man sie auch dort lösen kann. Nimm sie mit ins Gebet: Herr, ist das ein reales Problem, oder ist es nur in meinem Kopf? Wenn es nur in meinem Kopf ist, will ich hier nicht im Weg stehen.
Und noch ein Perspektivwechsel, der viel löst: Es geht gar nicht um dich. Du stehst für ein Thema. Die Menschen interessieren sich zuerst für dieses Thema, nicht für deine Person – sei also die Leinwand dafür. Deine Berufung liegt nicht darin, die Klügste oder der Tollste zu sein. Sie liegt darin, dein Thema nach draußen zu bringen. Je mehr du dich mit der Sache selbst beschäftigst, desto weniger beschäftigt dich, ob im letzten Live die Frisur saß.
Hürde 2: Wie verkrafte ich Gegenwind?
Denn es gibt sie ja doch, die wenigen, die nicht nur um sich selbst kreisen, sondern auf dich zielen.
Hier ist Merle eine Großmeisterin – in dieser Hinsicht ist sie wie Teflon. Während Oli längst anfängt, sich Gedanken zu machen, steht sie noch entspannt da. Der Grund dafür ist ein einziger Satz:
Das Verhalten anderer Menschen spiegelt ihre eigenen Themen wider – nicht, ob das, was du gesagt oder getan hast, gut oder schlecht war.
Und diese Themen darfst du ihnen zurückgeben. Es ist ihre Verantwortung, sich damit auseinanderzusetzen. Wir können Menschen nicht davor bewahren, Gefühle zu haben oder getriggert zu werden. Was wir tun können: für sie beten, sie segnen und wissen, dass Gott sie im Blick hat.
Ein Beispiel aus der Praxis. Eine Kundin wollte einem Bekannten von unserem Money-Mindset- Kurs erzählen und kam mit diesem Satz zurück: „Christen, die über Geld reden, die sind des Teufels.“
Das sitzt erst einmal. Ziemlich massiver Gegenwind für ein derart alltägliches Thema. Aber schau, was da wirklich passiert: Dieser Mensch hat offenbar sehr eigene Erfahrungen mit Geld gemacht. Denn diesen Satz findet man so in der Bibel nicht. Jesus spricht ausgesprochen viel über Geld – es gibt über 2.000 Verse dazu.
Es hat also nichts mit den Fakten zu tun. Es hat mit seiner Einstellung zu tun.
Der erste Moment darf ein Schock sein. Der zweite Gedanke sollte sein: Das ist sein Thema. Ich lasse es bei ihm und mache es nicht zu meinem. Genau das gilt übrigens auch im Coaching – wer die Probleme seiner Klienten zu den eigenen macht, ist schnell nicht mehr handlungsfähig.
Wer das kann, muss auch nicht in den Krawallmodus schalten. Man kann verständnisvoll und wertschätzend bleiben und trotzdem sagen: Alles klar, da hat sich gerade ein Glaubenssatz gezeigt – und der gehört dir.
Hürde 3: Ich habe Angst, Kante zu zeigen
Ein Klassiker. Wir wollen alle geliebt werden, wir streben nach Harmonie und Gemeinschaft. Und trotzdem ist Kante zeigen entscheidend.
Stell dir vor, du bist Lerncoach und hältst das deutsche Schulsystem für schlecht. Dann musst du das aussprechen. Klar und ohne Weichzeichner: Das System, wie es gerade existiert, bringt schlechte Ergebnisse.
Was du dabei nicht beeinflussen kannst, ist die Reaktion. Egal was du sagst, es wird Menschen geben, die es feiern, und Menschen, die dagegen sind. Aber deine Leute – die, für die du da bist – feiern dich genau dafür. Je klarer du bist, je unverrückbarer du für dein Thema einstehst, desto stärker.
Die meisten trauen sich nicht. Wer es tut, wird dafür belohnt: mit Menschen, die zuhören und mitgehen.
Schleif deine Botschaft also nicht glatt, bis sie dir aus der Hand flutscht wie ein Fisch. Zeig Kante. Dann wissen die Leute sofort: Ah, das ist die Lerncoachin mit der klaren Haltung zum Schulsystem – und mit einer Lösung, wie es besser geht.
Genau das ist der Sinn der Sache. Klarheit trennt Kunden von Nicht-Kunden. Die einen sagen: Deine Botschaft ist toll, deine Werte passen, ich gehe mit. Die anderen sagen: Nicht meine Welt, tschüss. Und beides ist gut.
Ein Tipp für den geschützten Anfang
Wenn dir der Sprung ins offene Meer der sozialen Netzwerke zu groß ist, gibt es einen kleineren Schritt: eine eigene Gruppe.
Eine Community ist ein geschlossener Raum. Es gibt eine Tür, und du bist der Türsteher. Wer drin ist, teilt deine Themen und schaut in dieselbe Richtung. Das ist nicht nur für deine Leute angenehm – es ist vor allem eine Spielwiese für dich. Ein geschützter Rahmen, in dem du üben kannst, sichtbar zu sein und Kante zu zeigen, ohne dass jemand im Vorbeigehen seinen Kommentar ablädt. Auf Instagram, hören wir von Kunden immer wieder, ist es da draußen schon ein bisschen rough.
Genau dafür gibt es DIVINE Connect: einen Jesus-zentrierten Ort für biblische Jüngerschaft und ehrliche Gemeinschaft, mit kostenfreier Mitgliedschaft. Für Unternehmer gibt es dort die DIVINE Business Community – ein Raum, in dem du dich zeigen kannst, ohne dich vorher panzern zu müssen.
Denn eines ändert sich nie: Sichtbarwerden gehört zum Business dazu. Und je klarer und echter deine Botschaft ist, desto besser. Mut tut gut – hier genauso wie beim ersten Schritt.
Häufige Fragen
Warum fällt Sichtbarkeit so schwer?
Weil es selten um die Sichtbarkeit selbst geht. Je mehr von deinem Innersten du zeigst, desto verletzlicher fühlst du dich – das Hindernis liegt auf der mentalen Ebene.
Was mache ich, wenn Gegenwind kommt?
Das Verhalten anderer spiegelt ihre eigenen Themen, nicht deinen Wert. Gib ihnen diese Themen zurück, bete für sie – und mach sie nicht zu deinen.
Muss ich wirklich Kante zeigen?
Ja. Klarheit trennt Kunden von Nicht-Kunden, und das ist ihr Zweck. Wer seine Botschaft glattschleift, wird von niemandem mehr gefunden.
Du willst diesen Weg nicht allein gehen?
In der DIVINE Business Community tauschst du dich mit anderen christlichen Unternehmern aus, die dieselben Fragen bewegen. Die Mitgliedschaft ist kostenfrei.
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