Mut zum ersten Schritt: So überwindest du die Angst vorm Start
9 Min. LesezeitFolge 27
Merle kam von einem Wochenende zurück, an dem sie eigentlich nur ein Führungskräfte-Coaching besuchen wollte, um in ihrer Firma besser zu werden. Auf dem Heimweg sprach sie Oli eine Nachricht aufs Handy, in der schon etwas anklang. Wir müssen reden. Dann saßen wir in der Küche, und sie sagte den Satz: „Du, ich glaube, ich mache mich auch selbstständig.“ Wer die Angst vor der Selbstständigkeit überwinden will, braucht irgendwann genau so einen Moment – und jemanden, der ihn aushält.
Oli hat kurz gerüttelt und geschüttelt. Dann sagte er: Ja, okay. Machen wir.
Rücklagen hatten wir damals keine nennenswerten. Das war ein Sprung ins kalte Wasser. Was uns getragen hat, war eine Entscheidung: Ängste blenden wir jetzt stur aus, die haben hier keinen Platz mehr. Sie halten uns nur davon ab, die Vision umzusetzen, von der wir überzeugt sind.
Wie das bei uns beiden angefangen hat
Oli ist 2010 gestartet. Vorher war er in einem Ingenieurbüro angestellt – Bauingenieurwesen studiert, und schon im Studium war klar: Sachen durchrechnen ist nicht sein Ding. Genau das war dann der Job.
Als er einen Geschäftspartner kennenlernte, der gerade einen Vertrieb aufbaute, war nach drei Monaten eigentlich klar, dass er loslegen will. Er blieb trotzdem neun weitere Monate – weil er dachte, ein volles Jahr müsse auf dem Lebenslauf stehen, falls es schiefgeht.
Diesen Lebenslauf hat seitdem nie wieder jemand gesehen. Neun Monate für nichts.
Bei Merle war es 2017. Personalberatung in Frankfurt, schickes Büro, schicke Firma. In dem Führungskräfte-Coaching fiel plötzlich eine Saat ins Herz – und ihr wurde bewusst, dass dieser Herzschlag längst da war. Sie hatte ihn nur immer wieder heruntergedrückt: Erst sammle ich Erfahrung, erst baue ich den Markt auf, dann sehen wir weiter.
Die anderen Teilnehmer haben gelacht. Gestern habe ich dich noch gefragt, und du hast gesagt, auf keinen Fall. Heute frage ich dich wieder, und du sagst: klar.
So schnell kann es gehen, wenn Gott ein Herz öffnet. Die Frage ist nur, wie du reagierst.
Das Argument mit der Sicherheit – erst weltlich
Über Sicherheit reden wir hier bewusst zuerst ganz nüchtern, weil dieser Punkt so hartnäckig im Kopf sitzt.
Als Angestellter bekommst du dein Gehalt aus einer Quelle. Das fühlt sich sicher an, weil es zu einem festen Zeitpunkt kommt. Tatsächlich bist du damit von dieser einen Quelle extrem abhängig – und wenn es ihr nicht mehr gut geht, geht es dir nicht mehr gut.
Jetzt stell dir vor, du hast zehn Kunden. Wie wahrscheinlich ist es, dass alle zehn gleichzeitig kündigen? Du verlagerst also gar nicht die Sicherheit – du verteilst sie. Statt einmal Gehalt im Monat kommt zehnmal etwas herein.
In einer Zeit, die immer schnelllebiger wird, ist die Firma, die du für vollkommen sicher hältst, nicht unbedingt der sicherste Arbeitsplatz. Und ehrlicherweise: Durch Sicherheit ist noch nie jemand zu seiner Berufung gekommen.
Und jetzt geistlich
Der eigentliche Punkt liegt aber woanders, und er nimmt der ganzen Frage die Schärfe.
Auch als Angestellter kommt dein Geld von Gott. Es ist nicht so, dass die Welt für dich sorgt, solange du angestellt bist, und du dich dann in die unsicheren Arme Gottes begibst. Gott hält deine Firma am Laufen. Gott versorgt dich. Immer.
Ob du angestellt bist oder selbstständig – du bist zu hundert Prozent von ihm abhängig. Der Chef dahinter ist derselbe. Wenn du in dieses Bild hineingehst, macht es keinen Unterschied mehr.
Und wenn Gott ruft, ist es ohnehin keine Verhandlungssache. Da geht nicht: Okay, der Höchste ruft mich, aber ich warte noch fünf Jahre, bis ich genug angespart habe. Das ist ein No-Go.
Blickwinkel 1: auf dich selbst
Gott hat dir eine Berufung gegeben, die darauf wartet, erfüllt zu werden. Was er dir da gegeben hat, bündelt vieles, was du über dein Leben hinweg an Erfahrung gesammelt hast – und er sagt: Jetzt ist das Timing.
Du darfst also sichtbar werden. Das ist keine Erlaubnis, um die du bitten müsstest, das ist deine Aufgabe. Gott bereitet niemanden für nichts vor.
Dein Business ist dabei viel mehr als ein anderer Weg, Geld zu verdienen. Es ist ein Ausdruck deiner Gaben und Talente.
Und damit sind wir beim Gleichnis von den Talenten. Der Knecht, der seines vergräbt und nicht vermehrt, wird hart korrigiert – und Jesus sagt einen Satz, der wehtut: Wer hat, dem wird gegeben, und wer nicht hat, dem wird auch noch genommen. Es ist bitter, Menschen zu sehen, die Gaben bekommen haben und sie im Sicheren vergraben. Es kann gut sein, dass du dabei mehr verlierst, als du bekommst.
Wenn du Gottes Wegen nicht folgst, wird der Weg oft enger. Vielleicht kennst du solche Situationen: Es wird unbequem, es wird schmal, du musst durch einen Flaschenhals – und dann macht es plopp, und du bist in einer neuen Welt. Manchmal drückt Gott einen so zu einer Entscheidung, wenn man sich vor ihr scheut.
Übrigens lohnt sich ein zweiter Blick auf die Knechte, die vermehrt haben. Aus fünf Talenten zehn zu machen geht nicht ohne Risiko. Die Geschichte ist schnell erzählt, aber in der Praxis hatten auch diese beiden Nächte, in denen sie nicht wussten, ob es aufgeht. Belohnt wurden sie am Ende für den Mut.
Vertrau dabei auf deine Fähigkeiten. Vielleicht siehst du sie noch gar nicht, vielleicht schlummert das meiste noch. Als wir angefangen haben, waren wir noch nicht die Unternehmer, die wir heute sind. Der Keim lag da – aber ohne loszulegen wäre er nie an die Oberfläche gekommen.
Und starte, bevor du bereit bist. Wenn du auf den Moment wartest, an dem du dich fertig vorbereitet fühlst: Der kommt nicht. Achtzig Prozent reichen völlig. Die letzten zwanzig erreicht ohnehin niemand.
Es gibt dazu einen abgegriffenen, aber wahren Spruch: Wann ist der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen? Vor zwanzig Jahren. Und der zweitbeste ist jetzt.
Blickwinkel 2: auf die Menschen, für die du da bist
Wer sich sehr mit sich selbst beschäftigt – bin ich gut genug, darf ich mich zeigen, kann ich das überhaupt –, übersieht das Wichtigste.
Es gibt jetzt schon Menschen, die auf dich warten. Nicht abstrakt: Gott hat euch füreinander vorbereitet. Wenn du zu Hause sitzen bleibst und die Leute da draußen sich fragen, wo derjenige denn bleibt, mit dem sie eigentlich verabredet waren, dann habt ihr ein Problem.
Und es geht dabei nicht nur um das Thema selbst. Ihr verpasst Gottes Orchestrierung. Sein Timing. Und alles, was aus dieser Begegnung noch entstanden wäre – Verabredungen, von denen du heute noch gar nichts weißt.
Selbstständigkeit dreht sich am Ende erstaunlich wenig um dich. Sie dreht sich um die Menschen. Egal, ob du einen Shop aufmachst, ein Coaching anbietest oder ein Buch schreibst – es ist immer für andere. Wenn dir das noch nicht klar genug ist, fang an, einen Kundenavatar zu entwickeln: Wer sind meine Traumkunden? Welche Probleme haben sie? Wie kann ich ihnen am besten helfen?
Damit erfüllst du ganz nebenbei das zweite Gebot – deinen Nächsten zu lieben wie dich selbst. Du dienst anderen mit den Fähigkeiten, die du bekommen hast.
Und du wirst zum Vorbild. Das wird oft unterschätzt. Wenn du anfängst, über deine Selbstständigkeit zu sprechen, schauen alle hin. Ein Teil denkt: Mal sehen, ob der das schafft. Das mit Gott als CEO – ob das überhaupt funktioniert. Erst lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich, dann jubeln sie dir zu.
Aber in der zweiten Reihe stehen die anderen. Die still zuschauen und warten. Und irgendwann denken: Wenn der das kann, dann kann ich das auch. Auf dem deutschen christlichen Markt brauchen wir noch viele solcher Vorbilder – Menschen, die zeigen, dass man sein Business nicht weltlich bauen muss.
Falls du jetzt denkst, dafür bräuchtest du erst eine große Reichweite: nein. Für den Start brauchst du erstaunlich wenig. Richte dein Denken auf eine einzige Frage aus – wie gewinne ich meinen ersten Kunden? Danach: Wie den zweiten? Für zehn Kunden brauchst du keine Community mit tausenden Menschen. Ein paar Dutzend genügen.
Blickwinkel 3: auf Gott
Wenn Gott dich ruft, dann folge. Viel mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.
Sein Timing ist perfekt, und wo er ruft, hat er auch einen Weg vorbereitet. Das heißt nicht, dass du diesen Weg sehen kannst. Als Selbstständiger stehst du regelmäßig da und denkst: Wie soll das gehen? Wie gewinne ich den nächsten Kunden? Wie bezahle ich nächsten Monat die Rechnungen?
Ehrlich gesagt ist es besser, dass du den ganzen Weg nicht kennst. Wenn wir damals gewusst hätten, wohin Gott uns führt, hätten wir uns vermutlich versteckt. Es wäre zu viel gewesen. Es ist ein bisschen, wie einem kleinen Kind einen Ferrari hinzustellen und zu sagen: Fahr das Rennen und gewinne. Moment – ich kann doch noch nicht mal laufen.
Deshalb führt er Schritt für Schritt und formt dich unterwegs zu dem Menschen, der die nächste Aufgabe tragen kann.
Bitte um Führung. Und zwar wirklich. Denn hier passiert der häufigste Fehler: Gott ruft, und dann fängt jemand an, mit sich selbst zu diskutieren. Kann ich das? Habe ich das richtig verstanden? Puh, das ist aufregend. Er redet nicht mehr mit Gott, sondern nur noch mit seinen eigenen Ängsten – und hält Gott dabei die Hand hin: Moment, das muss ich erst für mich klären.
Das ist fatal. Wenn du das bei dir bemerkst, hör auf und geh ins Gebet. Die Menschen, die das tun – egal wie nervös oder überfordert sie sind –, bekommen Antworten.
Wir erleben das regelmäßig, seit es diesen Podcast gibt. Leute schreiben uns: Ich hatte gebetet, dass Gott mir zeigt, wie er das mit dem Business meint. Und dann habe ich nach christlichen Coaches gesucht und euch gefunden. Das ist kein schönes Gerede. Wenn du dich im Gebet öffnest, wirkt er – über erstaunliche Wege.
Zwei Bilder zum Schluss
Der Worst Case. Ingenieure schauen als Erstes, was schlimmstenfalls passieren kann. Oli hat das damals durchgespielt: Ich lande unter der Brücke, verarme, verhungere. Realistisch betrachtet – nein. Niemand landet unter der Brücke, weil eine Selbstständigkeit gescheitert ist. Der wirklich schlimmste Fall ist die staatliche Grundsicherung, und bis dahin liegen zahllose Zwischenschritte. Du leihst dir ja keine hundert Millionen und baust eine Autofabrik. Realistisch verlierst du ein, zwei Jahre. Mehr nicht.
Das Auto. Stell dir vor, du sitzt in einem Wagen, und Gott hat den Weg schon eingegeben. Wenn du nicht Gas gibst, passiert nichts. Du kannst am Lenkrad drehen, so viel du willst – ein stehendes Auto lässt sich nicht lenken. Erst wenn du in Bewegung kommst, in deinem Tempo, ganz moderat, kann er eingreifen und dich auf die richtige Spur bringen.
Mut tut gut. Und tiefer als in Gottes Hände kannst du nicht fallen.
Falls du noch am Anfang stehst und dich fragst, was der allererste Schritt ist – drei Gründe, jetzt zu starten haben wir an anderer Stelle zusammengetragen.
Häufige Fragen
Wann bin ich bereit, mich selbstständig zu machen?
Dieser Moment kommt nicht. Starte, bevor du dich bereit fühlst – achtzig Prozent Vorbereitung reichen völlig aus, die restlichen zwanzig erreicht ohnehin niemand.
Ist eine Anstellung nicht sicherer als die Selbstständigkeit?
Als Angestellter hängst du an einer einzigen Quelle. Mit zehn Kunden hängst du an zehn. Und wer dich versorgt, ist ohnehin in beiden Fällen derselbe.
Was ist der schlimmste Fall, wenn mein Business scheitert?
Nicht die Brücke. Realistisch verlierst du ein bis zwei Jahre – zwischen Start und echtem Absturz liegen viele Zwischenschritte.
Du willst diesen Weg nicht allein gehen?
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