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Business-Aufbau & Strategie

Brauche ich direkt eine Webseite für mein Online-Business?

8 Min. LesezeitFolge 24

„Ich starte jetzt mein Online-Business – und lege direkt mit meiner Webseite los.“ Diesen Satz hören wir ständig. Und unsere Antwort auf die Frage, ob du direkt eine Webseite brauchst, ist genauso beständig: Wir raten davon ab, mit einer Website zu starten.

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Wir haben nichts gegen Webseiten. Webseiten sind eine gute Sache, das Internet ist eine gute Erfindung, damit lassen sich schöne Dinge machen. Die Frage ist nur, wann es für dich in deinem Business Sinn ergibt, Zeit, Geld und Nerven hineinzustecken. Denn dass eine Webseite die Voraussetzung sei, das Erste, was man tut – das ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält.

Wie wir das selbst gelernt haben

2017 hat Merle sich selbstständig gemacht, und der Mythos hat sofort voll durchgeschlagen: Ich brauche eine Website.

Nur war da kein Budget, um jemanden dafür ins Boot zu holen. Also hieß es: Ich finde selbst heraus, wie das funktioniert. Und 2017 war das noch eine andere Nummer als heute. Es gab keine Baukästen, in denen man Bausteine hin- und herschiebt. Es hieß WordPress, Codeschnipsel suchen, die richtigen Plugins finden, alles zusammenfrickeln.

Tage und Nächte im Technik-Tunnel. Zwei, drei Tage lang saß Merle im Zombie-Modus vor dem Laptop, und wer sie in dieser Zeit gesehen hat, hat vor allem eine Frau am Hacken gesehen. Hut ab dafür, wirklich – und das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Zusammen mit professionellen Fotos war das eine ansehnliche Seite. Die gibt es heute nicht mehr, du brauchst gar nicht anzufangen zu suchen.

Der Stolz war groß. Der Button hatte die richtige Farbe, alles saß an der richtigen Stelle. Und wer so viel investiert hat, feiert auch jeden Besucher und jedes Lob.

Aber dann kamen zwei Erfahrungen, und beide gehören zu den ehrlichsten dieser Zeit.

Die Webseite hinkte inhaltlich immer hinterher. Egal, was geplant war – ein Event, eine neue Variante eines Angebots –, die Seite hing drei Meter hinterher wie eine Eisenkugel am Bein. Ständig dieser Gedanke im Nacken: Ich muss die Seite noch aktualisieren.

Und die Kunden kamen nicht über die Webseite. Ein paar Leute sagten „schöne Seite“. Das war es. Eine Webseite verkauft an sich nicht.

Als wir Anfang 2018 anfingen, zusammenzuarbeiten, hatten sich Thema und Zielgruppe ohnehin verändert. Wir haben uns die Mühe einer neuen Seite gar nicht erst gemacht, sondern sind mit einer Gruppe gestartet, in der wir mit Menschen ins Gespräch kamen. Genau dieses Muster sehen wir seitdem bei Hunderten von Kunden.

Warum eine Webseite allein nicht verkauft

Es hilft, kurz zu verstehen, wie das Internet funktioniert – denn viele stellen sich das so vor: Seite live schalten, und dann melden sich täglich zehn Leute.

Niemand hat einen Überblick darüber, wie viele Webseiten es gibt. Niemand außer einem, und der heißt Google. Google schickt ein Programm los, den Crawler. Stell ihn dir vor wie eine kleine Spinne, die von Webseite zu Webseite hüpft, sich die Inhalte merkt und eine Zusammenfassung anlegt. Das nennt man Indexieren. Die Spinne merkt sich dann etwa: Diese Seite geht um Outdoor-Camping und Feuermachen.

Und dann entscheidet ein Algorithmus, den in seiner Gesamtheit niemand kennt, wie weit vorne du auftauchst. Jetzt die ehrliche Frage an dich: Wann hast du das letzte Mal auf die zweite oder dritte Seite bei Google geschaut? Die meisten sehen sich die ersten fünf Ergebnisse an, viele scrollen nicht einmal die erste Seite herunter. Frag ruhig mal Freunde und Bekannte. Wer auf Seite zwei landet, existiert praktisch nicht.

Deshalb braucht es einen Weg, wie Menschen überhaupt auf die Seite kommen – und einen Weg, der von dort weiterführt. Eine Seite, die nur Informationen bereitstellt, ist eine Einbahnstraße: reinlaufen, angucken, weg sein. Es braucht eine Intention. Texte, die neugierig machen. Und am Ende einen klaren nächsten Schritt: eine E-Mail, ein Eintrag, eine Einladung. Am besten etwas Kostenfreies – ein Podcast, eine Community –, wo Verbindung und Vertrauen entstehen können.

Denn kalt kauft fast niemand. „Kalt“ heißt im Marketing: Jemand kennt dich nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein wildfremder Mensch auf deine Seite kommt und denkt „Oh, ein schöner Kurs, den kaufe ich mal“, liegt nahe null. Prüf es an dir selbst. Man will vorher mehr über die Person erfahren, mehr zum Thema hören, wissen, ob es Ergebnisse gibt und Geschichten von anderen.

Die Seite ist für deinen Kunden da, nicht für dich

Falls du nach all dem immer noch denkst: Doch, ich brauche unbedingt eine Website – dann tu uns einen Gefallen.

Der häufigste Fehler, den wir sehen, wenn Leute uns ihre Seiten zeigen, ist ein Ich-ich-ich-Text. Ich habe diese Ausbildung, ich habe jene Erfahrung, und jetzt kauf mal hier. Das ist, salopp gesagt, 90er-Jahre-Verkauf. Nicht despektierlich gemeint – die meisten wissen es einfach nicht besser.

Formuliere in Du-Kommunikation. Schau immer durch diese Brille auf deine Seite: Steht dort der Kunde im Vordergrund? Werden seine Fragen behandelt, nicht deine? Das ist nicht deine Visitenkarte. Deine Seite ist dafür da, deinen Kunden abzuholen.

„Aber meine Leute fragen doch nach einer Webseite“

Diesen Einwand hören wir oft, und er verdient eine ehrliche Antwort.

Manchmal stimmt er. Wenn du offline schon als Coach unterwegs warst, Kunden gewonnen hast, viel netzwerkst – und jemand sagt: „Ich war beim letzten Kurs dabei und will wieder mit, hast du Infos auf deiner Seite?“ –, dann hast du bereits eine Basis, und eine Seite kann in dieser Phase sinnvoll sein.

Viel häufiger ist es etwas anderes. Jemand hört dir zu, findet es interessant und sagt: „Hast du da mal was Schriftliches? Dann kann ich mir das in Ruhe angucken.“ Das ist meistens kein akutes Interesse – sonst könnte die Person dich ja direkt fragen und ihre Fragen sofort klären. Es ist eine höfliche Ausweichbewegung, weil gerade keine Entscheidung ansteht.

Im Vertrieb gibt es dafür einen alten Satz: Papier verkauft nicht. Für Webseiten gilt er genauso.

Was du stattdessen tun kannst, ist ganz keck nachzufragen: „Nee, habe ich nicht – aber was müsste denn auf der Website stehen, damit mein Angebot für dich interessant wäre?“ Die Antwort verrät dir, wonach die Person wirklich sucht. Und wenn sie sagt „Ich wollte eigentlich nur mal gucken“, dann weißt du: Diese Arbeit brauchst du dir nicht zu machen.

Das ist der eigentliche Punkt. Wer sich wegen solcher Sätze eine Webseite baut, macht sich Arbeit für nichts – denn er hat kein Webseitenthema, sondern ein Verkaufsthema.

Am Anfang bist du in einer Suchbewegung

Der zweite Grund gegen den frühen Start ist noch grundlegender.

Bei etwa 80 Prozent unserer Kunden ist die erste Positionierung nicht die, mit der sie ein halbes Jahr später dastehen. Das ist kein Fehler, das gehört dazu. Am Anfang bist du in einer Suchbewegung: Wer bin ich, was biete ich konkret an, wer genau ist meine Zielgruppe, womit kann ich am allerbesten helfen? Diese Bewegung braucht Zeit, Gespräche, O-Töne von echten Kunden.

Und all das kannst du auf einer Webseite nicht machen. Im Gegenteil: Die Inhalte veralten, während du sie schreibst. Heute die Seite gebaut, nächste Woche hat sich die Positionierung verschoben – und du sitzt schon wieder Stunden daran.

Man sieht das den Seiten auch an. Wenn wir Webseiten anschauen, erkennen wir sofort, ob jemand mit seiner Positionierung schon klar ist. Ist er es nicht, steht dort ein Bauchladen: 25 Themen, 30 Angebote, fünf verschiedene Wege, Kontakt aufzunehmen. Das verwirrt maximal. Und verwirrte Menschen kaufen nicht.

Genauso häufig hören wir: „Ich habe angefangen, aber die Texte fallen mir so schwer.“ Völlig logisch. Wenn die Botschaft noch nicht klar ist und du noch nicht genug Kunden durch ein Angebot begleitet hast, kannst du gar nicht flüssig darüber schreiben. Gib dir zwei, drei, vier Monate mehr Reife mit echten Menschen – dann schreiben sich diese Texte fast von selbst, weil du weißt, wofür du stehst.

Die Lösung ist unspektakulär

Verschieb das Webseitenprojekt auf später. Das ist alles. Lass es einfach los, es tut nicht weh.

Konzentriere dich stattdessen darauf, mit potenziellen Kunden ins Gespräch zu kommen. Eine Webseite ist ohnehin ein langfristiges Projekt – rechne mit einem halben Jahr, bis sie überhaupt gefunden wird. In dieser Zeit hast du Besseres zu tun: deine Botschaft festigen, herausfinden, was deine Zielgruppe wirklich braucht, und lernen, dieses Bedürfnis zu stillen.

Nebenbei sparst du Geld. Anmeldung, laufende Kosten – viel muss das nicht sein, aber es ist Geld, das du am Anfang nicht ausgeben musst. Wenn du laufende Einnahmen hast, kannst du dir vielleicht sogar jemanden leisten, der die Seite mit dir baut. Und dann weißt du längst, wen du ansprichst und wie.

Zeig dich in der Zwischenzeit lieber dort, wo Austausch stattfindet. Das hat sogar einen Nebeneffekt, den kaum jemand auf dem Schirm hat: Google mag Inhalte, mit denen Menschen tatsächlich interagieren – User Generated Content, wie es dort heißt. Eine statische Seite, auf die jemand einmal etwas geschrieben hat, ist für den Crawler eben eine statische Seite. Ein Beitrag, unter dem diskutiert wird, ist ein Signal. Und du bekommst noch etwas viel Wertvolleres: direktes Feedback auf deine Texte und die Möglichkeit, nachzufragen, was die Leute eigentlich brauchen.

Wenn du das nicht allein tun willst, sondern mit Menschen, die denselben Weg gehen: Genau dafür gibt es DIVINE Connect – ein Jesus-zentrierter Ort für biblische Jüngerschaft und ehrliche Gemeinschaft, mit kostenfreier Mitgliedschaft. Für Unternehmer gibt es dort die DIVINE Business Community, in der du auch Feedback zu deiner Positionierung bekommst – bevor du sie in eine Webseite gießt.

Häufige Fragen

Brauche ich als Coach von Anfang an eine Webseite?

Nein. Eine Webseite verkauft für sich genommen nicht, und am Anfang veraltet sie schneller, als du sie pflegen kannst. Verschieb das Projekt bewusst auf später.

Was mache ich stattdessen?

Sprich mit Menschen. Zeig dein Thema dort, wo Austausch entsteht, sammel O-Töne deiner Kunden und schärf daran deine Botschaft.

Meine Interessenten fragen nach einer Webseite – was nun?

Frag zurück, was denn draufstehen müsste, damit das Angebot interessant wird. Meistens zeigt sich dann: Es ist kein Webseitenthema, sondern ein Verkaufsthema.

Du willst diesen Weg nicht allein gehen?

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