Wie du mit Rückschlägen im Business umgehen kannst
7 Min. LesezeitFolge 22
Scheitern gibt es eigentlich nicht. Scheitern gibt es erst dann, wenn du aufgibst – vorher ist alles eine Lernsache. Wer mit Rückschlägen im Business umgehen will, fängt am besten mit diesem Satz an, denn er nimmt der ganzen Sache das Bedrohliche.
Es gibt einen zweiten, der dasselbe von der anderen Seite sagt: Entweder du gewinnst, oder du lernst.
Rückschläge gehören zum Business wie zum Leben. Es gibt großartige Phasen, es gibt herausfordernde. Erfolge und Rückschläge sind wie Ein- und Ausatmen. Je natürlicher du das als Bestandteil begreifst, desto entspannter wird es. Nicht, wie oft du hinfällst, ist die Frage – du wirst hinfallen, und mehr als einmal. Die Frage ist, wie oft du wieder aufstehst, die Krone richtest und weitermachst.
Zwei Geschichten aus vierzehn Jahren
Oli ist seit 2010 selbstständig, damals in der Finanzdienstleistung. Der Vertrieb, den er mit aufgebaut hat, startete zu dritt; am Ende waren es 24 Leute, mit eigenen Mitarbeitern. Es lief gut.
2017 ist er von heute auf morgen ausgestiegen. Ohne Plan, was danach kommt. Ohne Firmenanteile zu verkaufen. Der Blick des Geschäftspartners in diesem Moment lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Warum? Und die einzige Antwort war: Das Kapitel ist für mich zu Ende.
Sieben Jahre Arbeit – und dann feststellen, dass es nicht mehr das Richtige ist. Man könnte das Scheitern nennen. Im Nachhinein war es der glorreichste Moment seiner Laufbahn, denn danach fing er an, mit Merle zusammenzuarbeiten.
Das Tückische an solchen Momenten: Sie fühlen sich in dem Augenblick schlecht an. Man kann sich eine Grundhaltung antrainieren – mal sehen, wofür es gut ist –, aber wissen tut man es erst hinterher. Manchmal erst sieben Jahre später.
Bei Merle waren die ersten beiden Jahre im Online-Business bunt. Es gab Durchbrüche, Ergebnisse, wunderbare Kunden. Und daneben Rückschläge.
Einer davon war ein Wechsel der Positionierung. Sie hatte mit Führungskräfte-Coaching angefangen und merkte, dass sie immer mehr aus dem Anzug- ins Flip-Flop-Business hineinwuchs. Ein Dreivierteljahr Arbeit, in das sie sich voll investiert hatte – und es fühlte sich einfach alt an. Ein vermeintlicher Rückschlag, tatsächlich eine Einladung, neu zu denken.
Der zweite war ein Online-Kurs, der komplett floppte. Eine Handvoll Menschen kaufte. Sie hätte sagen können: Online-Business ist wohl nichts für mich. Stattdessen war das die Geburtsstunde der konsequenten Community-Arbeit. Vorher hatte sie zwar schon eine Gruppe, aber daneben noch fünf andere Strategien ausprobiert. Danach nur noch das eine – und genau das legen wir bis heute jedem ans Herz, der als Coach oder Berater startet.
So ließe sich eine ganze Kette von Umständen erzählen, bei denen man hätte sagen können: Blöd gelaufen, die Tür ist zu. Wir haben stattdessen jedes Mal gefragt: Wo liegt hier der nächste Samen? Wo legt Gott den nächsten Hinweis? Wo ist die nächste Tür?
Es gibt übrigens zwei Erfolgsregeln fürs Leben. Regel eins: niemals aufgeben. Regel zwei: immer Regel eins.
Tipp 1: Sieh es als Veredelungsprozess
Gott ist nie das Problem. Er ist gut, und er will dein Bestes. Wenn also ein Rückschlag kommt, sieh ihn als das, was er meistens ist: ein Veredelungsprozess. Dahinter wartet etwas Besseres.
Die Bibel hat dafür ein Bild, das kaum zu übertreffen ist: das Zurückschneiden der Reben.
Für jeden Winzer ist das vollkommen normal. Er steht nicht vor seinem Weinstock und jammert, dass die Triebe so schön hochgewachsen sind und jetzt weg müssen. Er weiß: Genau dadurch kommt im nächsten Jahr mehr Frucht.
Merle erinnert sich noch daran, wie sie als kleines Mädchen das erste Mal gesehen hat, wie radikal Pflanzen zurückgeschnitten werden. Sie war überzeugt, das Bäumchen sei jetzt tot – das war zu viel, das war eine dumme Idee. Und dann zu sehen, was daraus hervorbricht, hat früh etwas gezeigt: Es lohnt sich, mutig zu sein und Dinge auch mal abzuschneiden.
Ein Beispiel aus der Begleitung. Eine Kundin, die wir seit Jahren begleiten, hat eine gut laufende Firma – nur ein Teil davon hakt seit Monaten. Du kennst das von einem Uhrwerk: Es gibt immer ein Rädchen, das quietscht, und darum muss man sich kümmern, damit das Ganze rundläuft. Dieses hier quietschte einfach weiter.
Sie kam belastet in das Gespräch. Und im Lauf des Gesprächs wurde klar: Es ist Zeit, diesen Ast abzuschneiden. Es bringt nichts mehr, den alten Teil am Laufen zu halten. Er wird nicht besser werden.
Solche Entscheidungen sind unangenehm. Es gibt dazu einen Satz, der hängen geblieben ist: Erfolgreiche Menschen erkennt man daran, dass sie bereit sind, unliebsame Entscheidungen zu treffen und unangenehme Gespräche zu führen. Mit Mitarbeitern, mit Geschäftspartnern, mit sich selbst.
Und das Erstaunliche daran: Die Situation sieht vier oder sechs Wochen später völlig anders aus. Wenn du einen alten Raum schließt, öffnet sich ein neuer. Und dieser Raum füllt sich – mit Dingen, die vorher nicht einmal am Horizont waren.
Wenn du eine Sache aus diesem Artikel mitnimmst, dann diese: Rückschläge sind nichts, wofür man sich schämen müsste. Sie sind etwas, das man umarmen darf.
Tipp 2: Nimm dir Zeit
Im Business will man Lösungen am liebsten gestern. Bloß schnell aus der unangenehmen Situation heraus. Genau da kommt man ins Stolpern.
Damit ist nicht gemeint, den nötigen Schnitt zu verschleppen. Es geht um etwas anderes: Nimm dir Zeit, die Veränderung innerlich zu begleiten.
Denn daran hängen Gefühle. Enttäuschung. Manchmal ein Trauerprozess, weil du etwas loslässt, für das du Feuer und Flamme warst. Vielleicht auch Scham oder Schuld – die dort eigentlich nichts verloren haben, aber eben doch auftauchen.
Pack das alles in einen Rucksack und geh damit zum Papa. Nimm dir Zeit mit ihm und reflektier ehrlich: Was war da eigentlich? Was habe ich mir selbst ausgedacht? Wann habe ich aufgehört, dir zuzuhören? Was willst du mir damit zeigen?
Diesen Prozess darfst du nicht überspringen, indem du schnell etwas Neues startest.
Bei uns sind aus genau solchen Zeiten die entscheidendsten Wendepunkte entstanden. Es gab Momente, in denen etwas komplett vor die Wand gefahren war und wir uns nur fragten, warum es nicht funktioniert – bis klar wurde: Da will etwas Neues geboren werden. So ist damals aus dem geflopten Kurs die volle Konzentration auf die Community geworden.
Solche Zeiten sind kein Urlaub. Es ist geistliche Arbeit: sich komplett zurückziehen, im Business nichts tun, neu ausrichten. Und wir reden dabei nicht von Monaten – meistens sind es ein paar Tage, aber konsequent.
Einmal wurden wir in so einer Phase zum Fasten gerufen. Wir hatten das noch nie gemacht und wussten nicht einmal, wie es geht. Im Gebet kam schlicht: Bitte fasten. Also gut. Es wurde eine gute Woche, wir waren überrascht, wie gut wir das aus Gottes Kraft durchgehalten haben – und wie stark er in dieser Zeit gesprochen hat.
Tipp 3: Mach fröhlich weiter
Das klingt vielleicht verrückt, ist aber sehr praktisch gedacht.
Wenn es herausfordernd wird, kannst du den Pessimisten anwerfen: sieben Tage Regenwetter, alles schlimm, alles anstrengend. Oder du kannst sagen: Herr, das ist gerade zäh, aber ich weiß, du bist bei mir. Danke, dass ich hier mit dir durchgehen darf.
Durch die Situation musst du ohnehin. Die Frage ist nur, ob du zusätzlich noch Schwermut darüberkippst.
Ein Satz dazu, den man zweimal lesen muss, damit er sitzt: Ich bin fröhlich, auch wenn es regnet – denn es regnet auch, wenn ich unglücklich bin.
Und noch eine Kleinigkeit, die uns gefällt: Nimm das Wort Fehler und dreh die Buchstaben um. Dann steht da Helfer.
Gottes Plan ist nämlich nie so schön linear, wie wir Menschen uns das vorstellen. Da sind Ecken und Kanten, manchmal Sackgassen. Genau diese Erfahrungen formen deinen Charakter und machen dich zu dem, wie Gott dich für das Nächste braucht. Und dann kommen die Wundersprünge – wenn es Zeit ist, auf einmal: bumm.
Was dabei wirklich wichtig ist: Schließ alte Dinge irgendwann ab. Wir kennen zu viele Menschen, die sich nach Jahren noch mit alten Wunden herumschleppen. Für deine geistliche Gesundheit gehört dazu, sagen zu können: Ist passiert, war doof, geht trotzdem weiter. Dann kannst du später fröhlich darauf zurückblicken.
Und mach das nicht allein. Über solche Dinge zu sprechen, statt sie zu verstecken, bringt Licht hinein – und garantiert gibt es Menschen, die genau dasselbe schon erlebt haben.
Zum Schluss noch ein Gedanke, der die Sache vom Kopf auf die Füße stellt: Es macht Gott Freude, wenn wir glauben und fröhlich sind. Schon deshalb lohnt es sich, im Glauben zu bleiben, wenn es im Business rumpelt. Wir haben die Wahl, wie wir reagieren – und wenn wir wissen, mit wem wir unterwegs sind, ist Freude keine Frage der Umstände.
Häufige Fragen
Wie gehe ich mit Rückschlägen im Business um?
Sieh sie als Veredelungsprozess, nimm dir Zeit, das Alte innerlich abzuschließen – und mach danach fröhlich weiter. Rückschläge gehören zum Weg, nicht daneben.
Ist ein gescheitertes Projekt ein Zeichen, aufzuhören?
Nein. Scheitern gibt es erst, wenn du aufgibst. Vorher ist es eine Lernsache – und oft öffnet sich genau dort die nächste Tür.
Warum soll ich mir nach einem Rückschlag Zeit nehmen?
Weil daran Enttäuschung, manchmal auch Trauer hängt. Wer das überspringt und schnell etwas Neues startet, verpasst, was Gott zeigen will.
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